In Kürze: Bevor du kündigst, sicherst du drei Dinge: die Inhaberschaft deiner Google Search Console, den Zugriff auf dein Analytics-Konto und die Kontrolle über Domain und Hosting. Wer erst nach der Kündigung danach fragt, verhandelt aus der schwächeren Position – oder steht ganz ohne Zugang da. Die vollständige Checkliste und die Reihenfolge stehen unten.
Welche Anzeichen sprechen tatsächlich für einen Wechsel?
Nicht jede Unzufriedenheit ist ein guter Grund, und nicht jedes Warnsignal ist eines. Der Unterschied liegt darin, ob du eine Erklärung bekommst oder nur Ausflüchte.
| Beobachtung | Grund zum Wechsel? |
|---|---|
| Rankings schwanken | nein, das ist normal |
| Seit Monaten kein Bericht | ja |
| Bericht zeigt nur Rankings, keine Anfragen | ja |
| Niemand kann erklären, was letzten Monat gemacht wurde | ja |
| Ein Update hat getroffen | nein, erst die Reaktion bewerten |
| Zugänge werden nicht herausgegeben | ja, sofort |
Rankings schwanken bei jeder Website, ständig und ohne dass jemand etwas falsch gemacht hat – das allein ist kein Kündigungsgrund. Auch ein Google-Update, das dich getroffen hat, ist kein Beleg für schlechte Arbeit; entscheidend ist, wie die Agentur darauf reagiert, nicht dass es passiert ist. Was zählt: Transparenz. Bekommst du regelmäßig einen Bericht, der mehr zeigt als eine Rankingtabelle, und kann dir jemand konkret sagen, was im letzten Monat gemacht wurde? Wenn nicht, ist das ein echtes Signal – unabhängig davon, ob die Zahlen gerade gut oder schlecht aussehen.
Woran erkenne ich, dass die Agentur nichts tut?
Am fehlenden Detail, nicht am fehlenden Erfolg. Frag konkret nach den letzten drei umgesetzten Maßnahmen und wann sie live gingen. Eine aktive Agentur nennt dir Titel, Daten und Seiten. Bekommst du stattdessen nur allgemeine Formulierungen wie „wir arbeiten laufend an der Optimierung“, ohne dass etwas Konkretes benennbar ist, ist das ein deutlich stärkeres Signal als eine schwankende Position in den Suchergebnissen.
Welche Zugänge musst du sichern, bevor du kündigst?
Das ist der wichtigste Abschnitt in diesem Artikel, und er sollte vor jedem Kündigungsschreiben abgearbeitet sein, nicht danach. Die vollständige Liste:
- Google Search Console – prüf deine eigene Inhaberschaft, nicht nur, ob du Nutzerrechte hast.
- Google Analytics – Kontoinhaber, nicht nur Zugriff auf Berichte.
- Google Ads und Merchant Center, falls im Einsatz.
- Domain-Registrar und DNS – wer kann die Domain verwalten und übertragen?
- Hosting und FTP – eigener Zugang, eigenes Passwort.
- CMS-Administrator – ein Konto, das dir gehört, nicht nur der Agentur-Mitarbeiterin.
- Bing Webmaster Tools – wird oft komplett vergessen.
- Backlink-Tool-Zugänge und die Disavow-Datei, falls die Agentur eine gepflegt hat.
- Zugangsdaten für Verzeichnisse und Branchenbücher, in denen dein Unternehmen gelistet ist.
Am unterschätztesten in dieser Liste ist die Search Console. In der Praxis kann dort eine Agentur als zusätzlicher Eigentümer eingetragen sein, ohne dass du das im Alltag bemerkst – bis sie nach der Kündigung nicht mehr erreichbar ist und du selbst keinen vollen Zugriff hast. Ich kenne das Problem auch aus einer ganz anderen Richtung: Nach einer WordPress-Kompromittierung in meinem eigenen Portfolio musste ich fremde Eigentümer aus der Search Console entfernen, die sich über eine Verifikationsdatei eingetragen hatten. Das zeigt, dass eine fremde Inhaberschaft kein theoretisches Risiko ist, sondern etwas, das ich selbst schon beheben musste – nur eben durch einen Angreifer statt durch eine Agentur.
Muss ich der Agentur die Zugänge lassen?
Nein, und du solltest es auch nicht. Zugänge zu Diensten, die dein Unternehmen betreffen – Search Console, Analytics, Domain, Hosting – gehören dir, unabhängig davon, wer sie eingerichtet hat. Prüf vor der Kündigung, dass du bei jedem dieser Dienste als Inhaber eingetragen bist, nicht nur als Nutzer mit eingeschränkten Rechten. Ist das nicht der Fall, kläre es, bevor du kündigst – danach hast du deutlich weniger Druckmittel.
Wem gehört die Domain wirklich?
Das prüfst du über eine Whois-Abfrage: Steht dort dein Unternehmen oder die Agentur als Inhaber? In der Praxis registrieren manche Agenturen Domains für Kunden unter eigenem Namen, oft aus Bequemlichkeit, manchmal auch bewusst als Druckmittel. Rechtlich ist das im Streitfall eine Frage des Vertrags und des Einzelfalls – das ist keine Aussage, die ich hier pauschal treffen kann, und dafür ist ein Anwalt die richtige Anlaufstelle, nicht ein SEO-Artikel.
Was passiert, wenn die Agentur die Domain hält?
Dann verhandelst du aus einer schwächeren Position, und eine schnelle, einseitige Lösung ist unwahrscheinlich. Praktisch heißt das: Kläre die Eigentumsfrage, bevor du kündigst, nicht danach, und zieh bei Uneinigkeit rechtlichen Rat hinzu, statt selbst eine Eskalation zu versuchen. Für die Zukunft gilt unabhängig vom Ausgang: Registrier jede künftige Domain unter deinem eigenen Namen, auch wenn eine Agentur die technische Einrichtung übernimmt.
Was passiert mit aufgebauten Backlinks?
Backlinks gehören technisch nicht dir und nicht der Agentur, sondern liegen auf den verlinkenden Websites – insofern „verlierst“ du sie bei einem Wechsel nicht automatisch. Anders sieht es aus, wenn die Agentur Linkplatzierungen über eigene, von ihr kontrollierte Netzwerke oder Kontakte organisiert hat: Solche Links können nach dem Ende der Zusammenarbeit tatsächlich wieder entfernt werden, weil sie nie unabhängig von der Agentur bestanden. Frag deshalb konkret nach, über welche Wege Backlinks entstanden sind, und ob davon welche an die Agentur selbst gebunden sind.
Was passiert mit Inhalten, die die Agentur geschrieben hat?
Das hängt vom Vertrag ab, nicht von einer allgemeinen Regel – ob Nutzungsrechte an Texten vollständig auf dich übergehen oder bei der Agentur verbleiben, ist eine vertragliche Frage, die ich hier nicht pauschal beantworten kann. Sichere in jedem Fall vor der Kündigung eine vollständige Kopie aller Inhalte, unabhängig von der Rechtslage – im Streitfall ist ein eigenes Backup mehr wert als eine nachträgliche Diskussion um Zugriff.
Darf die Agentur Inhalte zurückziehen?
Das ist ebenfalls eine Vertragsfrage und keine, die pauschal mit ja oder nein zu beantworten ist. In der Praxis ist es unabhängig von der rechtlichen Lage klüger, dieses Risiko gar nicht erst eingehen zu müssen: Sicher dir eine vollständige Kopie aller Texte, Bilder und Konfigurationen, solange der Zugriff noch besteht. Bei Unsicherheit über die vertragliche Lage ist ein Anwalt die richtige Anlaufstelle, nicht eine Vermutung.
Wie übergibst du sauber an den Nachfolger?
Eine saubere Übergabe braucht mehr als die reine Zugangsliste. Sinnvoll ist ein kurzes Übergabedokument: welche Seiten wurden zuletzt bearbeitet, welche Maßnahmen laufen noch, welche Baustellen sind bekannt und offen. Ohne dieses Wissen fängt der Nachfolger bei null an, selbst wenn er alle Zugänge hat – und genau das kostet in der ersten Zeit Tempo. Für die eigentliche laufende Betreuung danach ist dieses Wissen die Grundlage, nicht die Zugänge allein.
Wie lange dauert der Übergang?
Rechne mit zwei bis vier Wochen für eine saubere Übergabe, wenn die Zugänge geklärt sind – das ist Erfahrungswert, kein fester Standard. Länger dauert es, wenn erst Eigentumsfragen zu klären sind oder wichtige Zugänge fehlen. Plane die Übergabe deshalb nicht am letzten Tag der alten Zusammenarbeit, sondern überlappend, solange beide Seiten noch ansprechbar sind.
Was im ersten Monat danach zu prüfen ist
Nach dem Wechsel lohnt eine Bestandsaufnahme vor der Übergabe – im Grunde ein Neustart der Diagnose, unabhängig davon, was die alte Agentur berichtet hat. Prüf, ob alle übernommenen Zugänge tatsächlich funktionieren, ob die Search Console weiterhin sauber unter deiner Inhaberschaft läuft, und ob es unerwartete Veränderungen gibt, die auf dem Weg passiert sind.
Verliere ich beim Wechsel Rankings?
Nicht durch den Wechsel selbst, wenn die technische Übergabe sauber läuft – Rankings hängen an der Website, nicht am Namen der betreuenden Agentur. Ein Einbruch direkt nach einem Wechsel hat fast immer eine technische Ursache: eine vergessene Weiterleitung, ein verlorener Zugang, eine unbeabsichtigte Änderung während der Übergabe. Fällt die Sichtbarkeit spürbar, lohnt der Blick in den Beitrag dazu, warum eine Website Rankings verliert – die dortige Prüfreihenfolge gilt nach einem Agenturwechsel genauso wie nach jedem anderen Ereignis.
Dein nächster Schritt
Bevor du kündigst, lohnt eine neutrale Zweitmeinung: Ich sehe mir an, was in deinem Konto tatsächlich gemacht wurde, und ordne ein, ob deine Beobachtungen einen Wechsel rechtfertigen – schreib mir für den kostenlosen Erstcheck. Bevor du wechselst, lohnt der Blick auf die Kosten: was SEO kostet und welche Abrechnungsmodelle es gibt.



